3 Gründe, weshalb dir dein Gitarrenunterricht möglicherweise keine großen Ergebnisse bringt

von Tom Hess


Hast du jemals Gitarrenunterricht genommen und gleich wieder aufgehört, weil es nur frustrierend war und du nicht genügend Fortschritt in deinem Spiel gesehen hast? Oder hast du vielleicht überlegt, Gitarrenunterricht zu nehmen, kennst jedoch jemanden, der enttäuschende Erfahrungen mit einem Gitarrenlehrer gemacht hat, und du hast begonnen, daran zu zweifeln, ob Unterricht es wert ist, deine Zeit und dein Geld zu investieren? Diese Auffassung hindert dich daran, all dies zu bekommen, was du dir von Gitarrenunterricht erhoffst.

Es gibt viele Gründe, weshalb Leute ihren Gitarrenunterricht beenden. Manchmal geschieht dies, weil es dem Gitarrenlehrer nicht gelingt, dich zu inspirieren, oder weil die Unterrichtsstunden nicht deinen speziellen musikalischen Zielen angepasst waren, oder weil der Lehrer zweitklassig war und nicht wusste, wie er dir helfen kann, ein spezielles Ergebnis zu erzielen. (Um dieses Problem zu vermeiden, lade dir diesen kostenlosen Leitfaden zum Thema "Wie man den richtigen Gitarrenlehrer findet" herunter). Wie auch immer, ein anderer (und häufig missverstandener) Grund könnte sein, dass deine Auffassung, was Gitarrenunterricht betrifft, nicht so effektiv wie nötig war, um wirkliche Fortschritte zu machen.

Nachdem ich sämtlichen verschiedenen Arten von Gitarristen tausende Musikstunden gegeben habe, und auch weltweit Gitarrenlehrer trainiere, wie man effektiv unterrichtet, habe ich bei den meisten Gitarristen, in Bezug auf die Art und Weise, wie man Gitarrespielen lernt, ähnliche Verhaltensmuster festgestellt.

Ich habe auch bemerkt, dass die spezielle Herangehensweise der Schüler an ihren Unterricht mit einem Lehrer ihren Fortschritt wesentlich beeinflusst. Sehr oft erreichen 2 verschiedene Leute ganz verschiedene Resultate mit dem gleichen Gitarrenlehrer, weil sie ihren Lernprozess ganz anders auffassen. Ein Schüler zum Beispiel glaubte, es besser als der Lehrer zu wissen, wie er seine musikalischen Ziele erreicht und widerstand einigen Anweisungen, die ihm der Lehrer gab. Später wurde ihm klar, dass er es natürlich nicht besser wusste. Der andere Schüler setzte sofort alles um, was ihm der Lehrer gab, und wurde in Kürze ein weltklasse Gitarrenvirtuose.

Ich habe herausgefunden, dass es 3 verschiedene Schülertypen gibt, die schnell von ihrem Gitarrenunterricht frustriert sind. Wenn du den Rest dieses Artikels liest, sei ehrlich zu dir selbst und stelle dir die Frage, welche dieser 3 Beschreibungen nach dir klingt. Ich bin der Erste, der zugibt, dass auch ich früher zu gewissen Zeiten diesen Beschreibungen teilweise nahegekommen bin. Wenn ich nun nach vielen Jahren zurückblicke,  verstehe ich einen der Gründe, weshalb es so lange gedauert, mein Gitarrenspiel zu meistern (über 20 Jahre). Es waren meinen eigenen, ineffizienten Herangehensweisen an den Lernprozess.

Der „Bring mir heute etwas Neues bei“ Typ von Gitarrenschüler

Du denkst vielleicht, dass es üblich ist, dass Gitarrenunterricht hauptsächlich daraus bestehen sollte, neuen Lehrstoff zu präsentieren und erwartest, dass es im Wesentlichen die Aufgabe des Gitarrenlehrers ist, für neuen Lehrstoff zu sorgen. Wie auch immer, wenn wir diesen Denkansatz genauer betrachten, wirst du sehen, dass es langfristig keine großen Resultate bringt, wenn man sich nur auf neue Informationen konzentriert.

Vor allem führt viel neuer Inhalt zu Informationsüberfluss und verursacht Burn-Out (und macht es nahezu unmöglich, die gelernten Information anzuwenden). Das Gefühl der Überhäufung kann schnell frustrierend sein und führt mitunter dazu, den Gitarrenunterricht abzubrechen (oder im schlimmsten Fall mit dem Gitarrespielen aufzuhören).

Zweitens, einfach „neue Dinge zu lernen“ führt nicht zum Meistern derselben. Ich hatte viele Schüler, die zu mir kamen und schon einige coole Dinge spielen konnten. Zum Beispiel hatten sie eine gute Technik oder ein gutes Verständnis davon, wie Musik aufgebaut ist bzw. funktioniert, oder sie hatten ein bereits gutes Musikgehör. Aber meistens war ihre Fähigkeit, die bereits gelernten Dinge zu integrieren und anzuwenden, sehr gering. An diesem Punkt angekommen, bringt „neue Dinge zu lernen“ diese Schüler in ihrem Gitarrenspiel nicht wesentlich weiter. Einfach von einem Konzept „Kenntnis zu haben“, ist nicht genug. Du „kannst“ Dinge nicht wirklich, bevor du sie nicht in dein Spiel integrieren kannst. 

Diese Art von Training, das Gelernte zu integrieren und anzuwenden, ist wahrscheinlich das Wertvollste, dass du dir im Musikunterricht aneignen kannst. An diesem Teil der musikalischen Entwicklung mangelt es allgemein fast allen Gitarristen. Dies endet für viele Gitarristen oft in massiver Frustration und Enttäuschung (sie wissen jedoch oft nicht, WESHALB sie frustriert sind).

Wenn du zum ersten Mal Unterricht nimmst, wirst du denken, dass es großartig ist, wenn dir dein Lehrer in jeder Stunde etwas Neues zeigt. Aber wenn dein Lehrer nichts anderes macht als dir „Neues zu zeigen“, dann wirst du nach einigen Stunden merken, dass du keine signifikanten Fortschritte machst. (Weil keine Integration und Anwendung des Gelernten stattfindet). Die meisten Leute werden zu diesem Zeitpunkt aufhören, Unterricht zu nehmen und folgen dem Gerücht, dass Gitarrenunterricht nichts bringt, ohne dass sie die wirklichen Gründe ihres Mangels an Fortschritt verstehen.

Der Typ von Schüler, der nur daran interessiert ist, Neues zu lernen, nimmt üblicherweise nicht lange Gitarrenunterricht. Wenn ein Gitarrenlehrer beginnt, über ein Konzept zu sprechen, das dem Schüler schon bekannt ist, wird die Unterrichtsstunde als Zeitverschwendung wahrgenommen. Weil diese Schüler möglicherweise schon woanders von diesem Konzept gehört haben, denken sie, dass sie es „bereits kennen“.

Natürlich ist neue Informationen zu erhalten, ein Teil jedes umfangreichen Lehrplans (zweifellos wirst du eine Menge neuer Dinge in deinem Gitarrenunterricht lernen). Aber es ist die Reihenfolge, in welcher die Informationen präsentiert werden, und wie du trainiert wirst, die Informationen ANZUWENDEN, zu IMPLEMENTIEREN und zu INTEGRIEREN, was den Gitarrenunterricht mit einem guten Gitarrenlehrer so wertvoll macht.

Wenn es a alles wäre, „Rohdaten“ in linearer Lernweise zu üben und zu lernen, um ein großartiger Musiker zu werden, dann könnte jede/jeder ein paar Bücher kaufen und für ein paar Jahre alleine Lernen und wäre dann ein weit fortgeschrittener Gitarrist. Natürlich ist dies meistens nicht der Fall.

Die Moral von der Geschichte ist hier, zu verstehen, dass du zu deinem Gitarrenlehrer gekommen bist, um zu lernen und als Gitarrist zu wachsen. Um dies tatsächlich zu verwirklichen, brauchst du während dieses Prozesses Geduld und musst realisieren, dass es manchmal, wenn du denkst, etwas schon zu „können“, in der Tat noch nicht genug ist, um diese neuen Dinge auch wirklich in deinem Gitarrenspiel anzuwenden und mit deinen anderen Fähigkeiten zu integrieren.

„Der Perfektionist“

Der nächste Typ von Schüler möchte alles, was ihm der Lehrer präsentiert (oder was er selber erlernt) bis ins Detail meistern, bevor er an Weiterem zu arbeiten beginnt. Obwohl sich dies oberflächlich gesehen gut anhört,  ist dieses Vorgehen weit vom effizientesten Lösungsansatz entfernt, um ein großartiger Musiker zu werden. Musik lernt man am besten in einem nicht-linearen Weg, was bedeutet, dass an mehreren Dingen gleichzeitig gearbeitet werden sollte,  ohne gleich alles Einzelne bis ins Detail zu meistern. Lerne mehr darüber, weshalb der lineare Lernweg, den Gitarristen oft einschlagen, meist nicht funktioniert. Schau dir dazu das folgende Video an: "How to learn and master guitar playing".

Ich vergleiche Musik zu lernen gerne mit dem Beispiel, einen Kuchen zu backen. Du bäckst nicht einfach einen Kuchen, indem du jede Zutat einzeln bäckst und dann letztendlich alles zusammenfügst, wenn jede einzelne Zutat fertig ist. Wenn du so einen Kuchen bäckst, würde es eine lange Zeit dauern, diesen fertig zu stellen –und viel wichtiger noch- er würde nicht so gut schmecken als wenn alle Zutaten zusammen backen würden!

Das Gleiche gilt für musikalische Fertigkeiten. Wenn du warten würdest, bis du ein großer Virtuose der Technik bist, bevor du beginnst, daran zu arbeiten, Musiktheorie, Songwriting und Improvisation zu meistern, dann könnte es mehrere Jahrzehnte dauern, bis du in den einzelnen Bereichen wirklich gut wärst. Und wahrscheinlich würde dein Können nicht integriert sein. Ich empfehle dir daher, einen nicht-linearen Lernprozess (wie im Video oben erklärt) einzuschlagen. Wenn du etwas Neues lernst, warte nicht darauf, bis du es völlig meisterst, um es erst dann in dein Spiel zu integrieren. Versichere dich nur, dass du es grundlegend beherrschst und beginne dann, die neue Information/Technik sofort in dein Spiel zu integrieren. Anwendung und Integration sind eigene Fähigkeiten, die einzeln geübt werden müssen. Dies wird es dir ermöglichen, dich vom „Schüler“, der fähig ist, „viele Dinge zu können“, zu einem großartigen Gitarristen zu entwickeln, der fähig ist, seine musikalischen Fähigkeiten zu nutzen, um sich selbst musikalisch auszudrücken.

Dieser (nicht-lineare) Weg wird auch verhindern, dass du aus der Balance deiner verschiedenen musikalischen Fähigkeiten geworfen wirst. Du wirst alles, was du bereits weißt, anwenden können. Es ist wichtig, zu verstehen, dass der „nicht-lineare Weg“ nicht ein „unlogischer“ Weg ist. Wenn du nach einem systematischen und logischen Weg suchst, Gitarrespielen zu lernen, solltest du verstehen, dass dieser systematische, geometrische (nicht-lineare) Weg in der Tat der effizienteste und logischste Weg ist.

Der Herausforderer

Dieser Persönlichkeitstyp ist meistens ein Gitarrist, der schon eine Weile Gitarre spielt oder schon in der Vergangenheit mit anderen Gitarrenlehrern gelernt hat. Dieser Schüler kommt meist mit vorgefertigten Meinungen zu seiner ersten Gitarrenstunde und diktiert dem Lehrer, was und wie unterrichtet werden soll. Ich sollte hier klären, dass ich damit nicht meine, dass ein Schüler nicht nachfragen soll, wenn er etwas nicht versteht oder dem Lehrer nicht seine Ziele mitteilen soll. Hierzwischen, und dem Fakt, einen Lehrer zu diktieren, was und wie er zu lehren hat, liegt ein großer Unterschied. Wenn der Schüler so viel mehr darüber weiß, wie unterrichtet werden soll, dann würde ja der Schüler der Lehrer sein, richtig? Wenn du weißt, wie man erfolgreich Gitarre lernt, und du mit deinem Fortschritt ohne Lehrer WIRKLICH glücklich wärst, dann brauchst du wahrscheinlich keinen Gitarrenunterricht. Aber wenn du Hilfe von einem qualifizierten Gitarrenlehrer suchst, bedeutet dies, dass du realisiert hast, dass dein Weg, alleine Gitarre spielen zu lernen, nicht so richtig gut funktionierte. Deswegen solltest du die Tatsache akzeptieren, dass dein Gitarrenlehrer mehr über Gitarrespielen und Unterrichten versteht als du  – und dich erfolgreicher unterrichten kann, gut zu spielen. (Anderenfalls, warum würdest du sonst dem Gitarrenlehrer  dein Geld geben?) Natürlich sind nicht alle Gitarrenlehrer gleich, und manche sind qualifizierter als andere. Wenn du meinem Leitfaden folgst, wie man den richtigen Gitarrenlehrer findet, wirst du sicher den besten Lehrer für dich finden.

Ich sage meinen Schülern immer, dass es ihr Job ist, mir ihre speziellen musikalischen Ziele und Herausforderungen mitzuteilen, um den größten Nutzen aus dem Unterricht mit mir zu erzielen. Dann ist es MEIN Job, eine Strategie zu entwickeln, um ihre Probleme zu lösen und ihre gesetzten Ziele so schnell wie möglich zu erreichen. Um dies zu erreichen, müssen sie mir als ihrem Lehrer vertrauen, und sich selber dazu verpflichten, sich gemeinsam durch den Lern- und Trainingsprozess fortzubewegen. Meine zufriedensten und am meisten fortgeschrittenen Schüler folgten alle diesem Ratschlag.

Wenn dein Gitarrenlehrer schon viele großartige Musiker hervorgebracht hat, sind die Chancen sehr hoch, dass er weiß, was er tut, und er wird daher auch fähig sein, auch dir zu helfen. Aber seine Möglichkeiten, dir zu helfen, werden limitiert sein (und der Lernprozess wird viel länger dauern), wenn du ständig alles in Frage stellst, was er dir lehrt. Nochmals, Fragen über etwas zu stellen, was du nicht verstehst, ist normal und auch Teil des Lernprozesses. Aber den gesamten Lehrplan zu erstellen, ist die Hauptverantwortung deines Lehrers, nicht deine.

In vielen meiner früheren Artikel habe ich erwähnt, dass die Arbeit mit einem Gitarrenlehrer der schnellste und direkteste Weg ist, um deine Ziele zu erreichen. Aber wenn du wirklich deine Fortschrittsrate maximieren willst, solltest du deine Herangehensweise an das Lernen mit einem Gitarrenlehrer analysieren. Auch wenn du dich entscheidest, alleine zu lernen, weise ich dich darauf hin, wirklich deine Herangehensweise ans Lernen und Üben zu analysieren und zu schauen, ob diese verbessert werden kann.

Es gibt viele Faktoren, die deine Verbesserung während des Lernprozesses beeinflussen.Wenn du diese alle zu deinen Gunsten zusammenschließt (durch das Lernen mit einem guten Gitarrenlehrer, das Überdenken deiner Auffassung zum Lernen, das Entwickeln einer guten Lerngewohnheit und noch mehr), dann wirst du nicht mehr aufzuhalten sein! 

Wenn du dich in einem dieser beschriebenen Lerntypen wiedererkennst, überdenke deine momentane Auffassung zum Gitarrelernen und, wenn es notwendig ist, treffe die richtigen Entscheidungen, um deine Denkweise zu ändern. Oberflächlich sieht es aus, als würde dies nur eine kleine Handlung sein, die getätigt werden muss, aber diese Differenz in deiner Denkweise beeinflusst dein Gitarrenspiel möglicherweise viel mehr als du es dir vorher jemals vorgestellt hast!

Möchtest du wissen, wie du den richtigen Gitarrenlehrer für dich findest? Lade dir diese Beschreibung kostenlos herunter: Einen Gitarrenlehrer finden.


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