Kreativität und Ausdruck – Teil 2

 von Tom Hess


Eigentlich war Teil 2 dieses Themas ganz anders geplant als das, was du jetzt liest, aber ich habe eine Menge Emails von Leuten bekommen, die „Kreativität und Ausdruck – Teil 1“ gelesen hatten, wobei es in diesen um das letzte Beispiel ging, worüber ich geschrieben hatte (das Storyboard-Konzept). Viele wollten eine genauere Erklärung, wie diese Idee für ihr (dein) Songschreiben verwendet werden könnte. Hier also eine Übung für dich.

Ich empfehle für dieses Schreibexperiment unbedingt, ein Instrumental-Stück (einen Song ohne Worte oder Gesang) zu schreiben. Der Grund dafür ist einfach: die meisten Songschreiber verlassen sich zu sehr auf den Songtext, um ihre Gedanken, Gefühle, Emotionen, eine Geschichte etc., die vermittelt werden sollen, auszudrücken. Sicherlich ist nichts falsch daran, wenn der Text die Story erzählt, aber ich halte es für viel wertvoller, wenn du die selbe Geschichte mit der Musik erzählen kannst. Wenn du dann den Text hinzufügst (wenn du das überhaupt willst), werden Kraft und Wirkung des Songs für den Hörer viel größer sein. Konzentrieren wir uns für dieses Experiment also einzig auf die Musik und nicht den Text. Du kannst später immer noch einen Text hinzufügen, wenn du willst.  

  1. Wähle dein Thema aus. Finde etwas, das du musikalisch ausdrücken willst. Du kannst alles nehmen, was du willst: ein persönliches Ereignis, ein Gefühl, einen Gedanken etc. aus deinem Leben, oder eine Geschichte, die du gehört oder gelesen hast, oder du kannst eine Geschichte oder ein Ereignis etc. erfinden, das du verwendest. Der Schlüssel ist, dass du genau weißt, was du ausdrücken willst, bevor du überhaupt daran denkst, Musik zu schreiben. Was sind die Ausdrucksziele? Warum hast du dieses Thema ausgesucht, um es in Musik auszudrücken? 
  2. Schreib es auf. Wenn du dein Thema ausgesucht hast, schreib es in wenigen eigenen Worten auf. Du wirst auf diese schriftliche Beschreibung immer wieder zurückkommen, wenn du die Musik schreibst, also behalte es bei dir, wenn du arbeitest. Beschreibe (schriftlich) die einbezogenen Ereignisse, Gefühle, Gedanken, die Leute, Orte oder Dinge, usw. Erinnere dich daran, was deine Ausdrucksziele sind. 
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    Teile Abschnitte ein. Unterteile die Story/das Thema in Abschnitte. Die Anzahl dieser Abschnitte wird variieren, je nach den Faktoren, die alle zu deiner Story gehören. Typisch für die meisten Songs sind 3-8 Abschnitte, aber mehr oder weniger sind möglich. Die Abschnitte deiner Story/deines Themas werden die Anzahl der musikalischen Abschnitte in deinem Song bestimmen, denke also gut darüber nach. Nummeriere jeden Abschnitt.  
  4. Die sieben fundamentalen Elemente der Musik. Erstelle eine Liste der sieben fundamentalen Elemente der Musik. Denke dann darüber nach, wie jedes einzelne  musikalische Element (Rhythmus, Harmonie, Melodie, Struktur, Form, Klangfarbe, Dynamik) am besten genutzt werden kann, um deine Ausdrucksziele (dein Thema/deine Geschichte) musikalisch ausdrücken zu können. Denke wirklich über jedes einzelne Element nach, und husche nicht nur einfach schnell durch diesen Schritt. Schreibe deine Ideen zu jedem Element auf dem selben Blatt Papier auf, das du in Schritt 2 vorbereitet hast.  
  5. Höhepunkt. Denke darüber nach, wo die Höhepunkte in deinem Thema/deiner Geschichte sind. In welchem Abschnitt befindet sich der Haupthöhepunkt? An welchem Punkt in diesem Abschnitt befindet sich dieser Höhepunkt genau (Anfang, Mitte, Ende etc.)? Es könnte eine gute Idee sein, den Höhepunkt zuerst zu komponieren, auch wenn er sich in der Mitte oder am Ende der Geschichte befindet. Wenn du weißt, wo du hinwillst, ist es wesentlich einfacher, dorthin zu gelangen. In den meisten Geschichten arbeiten die Teile vor dem Höhepunkt auf ihn hin und die nach ihm bewegen sich gewöhnlich von ihm weg. Mit anderen Worten, das, was vor dem Höhepunkt passiert, baut gewöhnlich Spannung auf und das, was ihm folgt, löst die zuvor aufgebaute Spannung auf. Natürlich verlaufen nicht alle Geschichten bzw. Musik nach diesem Muster, aber meist tun sie dies. Schreib alle deine Ideen auf das gleiche Papier, das du in Schritt 2 vorbereitet hast.

Jetzt, wo du all dies auf dem Papier hast, bist du bereit, mit dem Schreiben der Musik für deinen Song/deine Komposition anzufangen. Komme, wenn du die Musik schreibst, auf deine ursprünglichen Ideen zurück, die du in Schritt 2-5 aufgeschrieben hast. Folgst du diesen Ideen oder hast du begonnen, dich von ihnen weg zu bewegen während du schreibst? Es passiert mir häufig, dass ich von meinen ursprünglichen Absichten abweiche, sobald ich die Musik schreibe und eine Weile an dem Stück gearbeitet habe. Manchmal ist das Ergebnis der geänderten Pläne besser als das Original, aber manchmal schlägt es fehl und ich komme auf die ursprünglichen Konzepte zurück und überarbeite die Musik, damit sie meinen Absichten besser entspricht. Um diese Methode besser zu lernen, empfehle ich dir, zu diesem Zweck unbedingt bei deinen ursprünglichen Plänen zu bleiben, egal was passiert. Wenn dir dein Schreiben/Ausdruck dann mit dieser Art und Weise besser gefällt, kannst du diesen Kompositionsstil weiterentwickeln und deinen eigenen Bedürfnissen anpassen.

Wie immer können mir Leser gerne Emails schreiben.

Kreativität und Ausdruck – Teil 1


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